Krank in Kuala Lumpur

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Von Kuala Lumpur hatte ich keine rechte Vorstellung, wusste nur dass ich gern mal hin wollte.
Nach einigen Tagen weiss ich jetzt, es ist keine sonderlich hübsche Stadt, sie besteht im wesentlichen aus langweiligen Hochhäusern und sehr sehr vielen großen Malls in denen die gleichen langweiligen Läden sind wie in so ziemlich allen großen Malls auf der Welt. Einen Tag lang bin ich durch die Malls gerannt weil ich dringend eine neue kurze Hose brauchte, meine ist durch ein, äh, Missgeschick unbrauchbar geworden. Nein, nicht so ein Mißgeschick. Ich hatte den Kindle in der Arschtasche und bin in die Hocke gegangen weil ich einen sehr großen Käfer fotografieren wollte. Naja, es gab dieses Geräusch und in Folge einen sehr langen Riß. Hätte sicher irgendjemand flicken können aber mein Vertrauen war dahin.
Jedenfalls, in einer Stadt, in der der durchschnittliche männliche Bewohner etwa so groß ist wie ich zur Einschulung, eine Hose mit Bundweite 38 zu finden (immerhin nicht 42 wie noch zu Beginn der Reise), war sportlich. Zwischendurch sah ich mich schon in einer grauen Gummizughose von Hasi&Mausi. Bei Timberland gab es dann was, ich vermute es handelt sich eigentlich um eine lange Hose für einen sehr kleinen, fetten Mann. Aber immerhin, sie passt und hat nur den Gegenwert von ca. 25 warmen Mahlzeiten in Kuala Lumpur gekostet. Überhaupt, das Essen hier ist wirklich eine Freude. Überall gibt es was, Strassen voller Restaurants, erstaunlich gute Foodcourts in den Malls (für irgendwas müssen die ja gut sein.) und leckeres Streetfood. Malayisch, chinesisch, indisch, thailändisch, so vielfältig wie die Herkunft der Bewohner ist auch das Essen. Und endlich weiss ich auch wie Durian schmeckt, auch Käse- oder Stinkfrucht genannt. Der Geruch ist schon ziemlich krass, man könnte die Frucht auch Stinkerkäsefrucht nennen und so dachte ich, probier ichs zum Einstieg mal mit einem Milchshake. Und es war grauselig. Es schmeckt nach altem, vergammelten Käse, der Geschmack hält sich ewig und kommt auch immer wieder hoch. Den Verzehr der puren Frucht hab ich erstmal zurückgestellt.

Ich hab mir in Burma eine solide Erkältung eingefangen so dass ich einige Zeit im Bett verbracht hab und auch nicht so viel unterwegs war und fotografiert hab wie sonst so. Immerhin für einen sehr netten Abend mit einer Zufallsbekanntschaft und diversen Singapore Slings in einer Skybar gegenüber der Petronas Towers hat die Energie gereicht:-)

Blick zurück nach Burma

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Burma/Birma oder Myanmar wie es seit einigen Jahren offiziell heisst (weil es der Name ist den das Militärregime dem Land gegeben hat, wird er im Westen nur eingeschränkt verwendet) taucht seit Ewigkeiten in schöner Regelmässigkeit in unseren Nachrichten auf, so richtig etwas damit anzufangen wissen aber die wenigsten. Was auch daran liegt, dass es sehr lange sehr abgeschottet wurde und insbesondere individuelles Reisen erst seit einigen Jahren möglich ist.  Und alles was man in den letzten Jahren über Reisen in das Land las, klang zwar interessant aber auch immer ein bisschen kompliziert und beschwerlich.

Für meine Tour hatte ich es auf der Ichkönntjamal-Liste weil es eigentlich nicht so richtig in den Plan passte. Aber Pläne sind ja schliesslich dazu da um geändert zu werden und als ich bei Invisible Photographer Asia, einer Organisation die sich der Förderung der Fotografie speziell in Asien verschrieben hat, ganz zufällig auf ein Angebot für einen Foto-Workshop in Rangun stiess, hat es nicht lang gedauert bis die Pläne angepasst waren. Hong Kong rausgeflogen (war ich schon), Japan gekürzt. Flug gebucht. Und weil es ja schon vorher so viele spannende Dinge zu erleben gab, war meine Vorbereitung eher oberflächlich. Das Thema des Workshops war Street- und Documentary Photography. Beschäftigt euch mit der Stadt und denkt euch ein Projekt aus dass ihr während der Zeit umsetzen wollte.
Hmm ja, halt rumlaufen, Stadt und Leute knipsen. Wobei ich bei mir dachte, mach ich was dokumentarisches, über die koloniale Architektur und so, denn im Prinzip finde ich Menschen auf Fotos eher störend und stehe schonmal 10 Minuten irgendwo rum um die Sekunde zu erwischen wo niemand durchs Bild latscht. Allerdings hat sich in den letzten Jahren mein Eindruck verstärkt dass Menschen die Bilder angucken, es ganz gerne haben wenn auf den Bildern auch Menschen drauf sind. Jedenfalls wenn es sich nicht um ordinäre Durchsbildlatscher handelt.
Meine Vorbereitung bestand im Wesentlichen aus ein paar Wikipedia-Artikeln und diesem Bericht auf Spiegel Online, der einige Tage vor der Reise erschien. Praktischerweise hatte ich damit mein “Projekt” gefunden, mit dem Zug ein bisschen durch die Stadt juckeln und schauen was so passiert.

Ich war anderthalb Tage vor Workshopbeginn in Rangun und hatte so ein bisschen Zeit um mir ein Bild zu machen, durch die Stadt zu laufen, ein paar Touri-Hotspots wie die Shwedagon Pagode abzuhaken und ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen. Es ist heiss, es ist voll, es ist laut und es ist ziemlich dreckig. Zwar scheint es eine Müllabfuhr zu geben – es stehen jedenfalls wie fast überall auf der Welt die 240l-Zweiradbehälter der Firma Otto rum, ein Großteil des Abfalls, organischer wie anorganischer, landet wo er grad anfällt, auf der Strasse, hinterm Haus, im Fluss, in der Kanalisation. Trotzdem sind sehr viele Leute damit beschäftigt, irgendetwas zu putzen.
Ein Großteil des  Leben findet auf der Strasse statt, die Gehwege sind voll mit Händlern und Essensständen die manchmal fast restaurantartige Dimensionen haben, mit Tischen und Hockern die da stehen wo eigentlich Autos parken. Dazwischen Hunde, Katzen, Tauben und nachts auch noch andere Viecher. Gehandelt wird mit allem, besonders mit raubkopierten DVDs und mit SIM-Karten, Telefonen, Zubehör. Bis vor wenigen Monaten war es für Privatmenschen quasi unmöglich und unbezahlbar ein Mobiltelefon zu besitzen, inzwischen gibt es neben dem Netz der staatlichen Post auch noch zwei private Netze ausländischer Betreiber die zumindest in Rangun schon ziemlich gut funktionieren. Und jede/r hat ein Telefon. Sehr erstaunlich wie schnell das offensichtlich Teil der Alltagskultur geworden ist.
Etwas kommt mir merkwürdig vor und nach zwei Tagen fällts mir auf. Die Autos hier haben zwar das Lenkrad auf der rechten Seite, gefahren wir aber ebenfalls rechts (ganz normal wie bei uns). Nach der Unabhängigkeit vom Empire wurde das wohl mal umgestellt, die Autos hat man aber trotzdem weiter hauptsächlich (gebraucht) aus Japan, weils halt billiger ist.
Man spürt in der ganzen Stadt eine Dynamik, eine Aufbruchstimmung, es vibriert regelrecht, alle warten auf irgendein Zeichen dass es jetzt endlich losgeht, nachdem man ja einigen Jahrzehnte im realsozialistischen Dornröschenschlaf verbracht hat. Möglicherweise sind ja die  Wahlen im nächsten Jahr das Zeichen.

Achja, der Workshop. Der erste Tag verging mit vorstellen, Bilder zeigen und ein paar Übungen zur Betrachtung und Bewertung von Bildern. Eine bunt gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus Singapur, Australien, Burma und icke.
Die nächsten drei Tage verbrachten wir mit fotografieren. Ich mit der eindeutigen Aufgabe, ausschliesslich eine kurze Brennweite zu verwenden und näher ranzugehen, denn, das war wohl beim Review meiner mitgebrachten Bilder recht offensichtlich, wenn ich schon Menschen fotografiere, dann aus der Distanz, mit den entsprechenden Nachteilen.
Also hab ich versucht näher ranzugehen, was einem in Burma netterweise sehr leicht gemacht wird, die Menschen lassen sich fotografieren, freuen sich, sind interessiert. Und so hab ich mich durch Züge, Bahnhöfe, Märkte, Fähren, Dörfer, Zoos, Vergnügungsparks und Klöster geknipst. Und war ganz schön dicht dran. Insgesamt waren es sehr produktive und lehrreiche Tage, eine Schau von Bildern aller Teilnehmer findet sich hier. Und dank der einheimischen Teilnehmer haben wir die Abende in grandiosen Restaurants verbracht, die burmesische Küche hat so einiges zu bieten.

Burma-21Ich wurde übrigens auch oftmals selbst zum Objekt. Der Burmese hat zurückgeknipst. Mal nur mich, mal mit daneben stellen. Die Krönung war eine Gruppe von gut 50 jungen Menschen die sich alle einzeln mit mir (und meiner Begleitung) haben fotografieren lassen. Gelegentlich hab ich dann auch noch zum Selfie gebeten.

Gruppenselfie mit neugierigen Burmesenmädchen

Zugfahrt nach Mawlamyine

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Montag morgen, 07:15h, Rangun Central Station, ich sitze im Zug nach Mawlamyine (vormals Moulmein), der früheren Hauptstadt des britisch-kolonialen Burmas. Eigentlich wollte ich die verbleibenden Tage im Land ja für einen Ausflug nach Bagan nutzen und mir die vermutlich sehr beeindruckenden Tempelanlagen anschauen. Nach der ziemlich anstrengenden Woche in Rangun folge ich der Empfehlung einer einheimischen Teilnehmerin des Foto-Workshops und ändere die Pläne. Sie schaute ziemlich entgeistert als ich sie nach einer Zugverbindung fragte (Es gibt doch Busse!?!). Kein Wunder, für die 250km braucht der Zug 10 Stunden. So genau weiss man das vorher nicht. Seis drum, ich hab ja Zeit! Fahrkarten gibt es nicht im Vorverkauf, nur am Tag daselbst, an einem Schalter in der hintersten Ecke des Bahnhofs. An dem ich pünktlich um sechs Uhr stehe, meinen Pass vorzeigen muss. Mein Name wird in die Sitzplatzreservierungsliste eingetragen, ich buche natürlich Upper Class (gepolsterte Sitze, yeah!) und zahle überraschenderweise nur den Einheimischenpreis von ca. 3,50 Euro (inkl. Unfallversicherung!) Die Sitze sind bequem, der Abstand geradezu luxuriös. Fensterscheiben gibt es nicht, wenn man mag kann man eine Blechjalousie mit Lichtschlitzen runterschieben. Mach ich aber nicht, ich will ja was sehen. Und ich sehe eine Menge. Das schnell noch auf den Kindle geladene Buch „Days in Burma“ von George Orwell, was er während seiner Zeit als Kolonialbeamter in Moulmein schrieb, muss warten. Der Zug zuckelt in unterschiedlichen Ausprägungen von langsam durchs Land. Sobald es mal in Richtung 50 km/h geht, schaukelt sich der Zug so auf dass alle Fahrgäste im Takt in ihren Sitzen auf und ab hüpfen. Ein sehr lustiges Bild, an lesen ist auch deshalb nicht zu denken. Beeindruckend, dass die Frauen, die an jeder Station zusteigen und bis zum nächsten Halt durch die Zug laufen und Getränke, Snacks und warme Mahlzeiten verkaufen, es bei dem Geruckel schaffen ihre Waren auf dem Kopf zu balancieren. Auch wenn das Essen gut aussieht und riecht, ich nehme Abstand davon etwas zu kaufen, den eher lockeren Umgang mit grundsätzlichen Regeln der Lebensmittelhygiene möchte ich meine Magen nicht ausbaden lassen. Immerhin, es gibt kaltes Dosenbier. Stunde um Stunde ruckelt der Zug durchs Land, vorbei an grandiosen weiten Landschaften mit dichter Vegetation, Kokos- und Bananenpalmen, auf jeder Erhebung sieht man die goldene Spitze einer Pagode. Dazwischen Siedlungen und Dörfer, in der Regel eine Ansammlung von einfachsten Pfahlbauten, Dach und Wände sind ein Geflecht aus Palmblättern. In diesem Entwicklungsland hat ausserhalb Ranguns scheinbar noch nicht viel Entwicklung stattgefunden, wenn man mal von den grandiosen Müllbergen absieht die sich allerorten hinter den Häuser ausbreiten. Werden die Haufen zu gross, zündet man sie einfach an. Meine Mitreisenden tragen fleissig zur Vermüllung bei indem sie einfach alles was nicht mehr benötigt wird aus dem Zugfenster schmeissen. Um 16;50h, pünktlich auf die Minute, erreichen wir Mawlamyine, die Reisenden werden schon am Gleis bestürmt von Taxifahrern die ihre Dienste anbieten. Wobei Taxi hier Motorroller bedeutet. Ich habe mich kobern lassen und bin skeptisch als der freundliche junge Mann mit dem sympathischen, vom Bethelnusskauen tiefrot gefärbten Lachen mich auffordert auf seinem Mopped Platz zu nehmen. Ich habe zwar in den letzten Wochen ein paar Kilo verloren, dafür aber meinen 20kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Meine Sorge ist unbegründet, mit mir hinten drauf sind wir so langsam dass uns vermutlich der Zug überholen könnte. Und es kommt wie es kommen muss, am ersten Hang verreckt die Karre, mein Fahrer winkt einen Kumpel mit einem etwas kräftigeren Gefährt ran und ich muss umsteigen. Nun habe ich ein bisschen Angst denn der Typ will nun zeigen dass sein Roller es draufhat und wir brettern durch die Stadt, ich klammere mich an einem Griff fest und versuche nicht nach hinten zu kippen, was bei den recht steilen Strassen gar nicht so einfach ist. Aber ich habe Glück und werde wohlbehalten an meinem Hotel abgesetzt, kann mich frisch machen und finde eine erste Bestätigung für die Behauptung dass es in Mawlamyine das leckerste Essen im ganzen Land gibt, in Form eines Avocadosalates mit gehackten Erdnüssen und wirklich sensationellem Fried Rice mit Seafood. Weil es voll ist an der Strandpromenade, setzt man mir einfach zwei weitere Gäste an den Tisch, ein Pärchen aus Polen, ebenfalls längere Zeit auf Tour und so plaudern wir den ganzen Abend über die verschiedenen Aspekte des Reisens.

Rangun rockt

Burma-2Seit zwei Tagen bin ich in Rangun, Birma/Burma/Myanmar. Nach drei Wochen Japan nichts anderes als ein Kulturschock. Wo es da beinah septisch sauber ist, geordnet, organisiert, zurückhaltend und korrekt, ist es hier schmutzig, chaotisch, ein bisschen wild und laut, dabei sind die Menschen sehr freundlich und offen. Ich finds super hier, es macht unglaublichen Spass durch die Stadt zu laufen und zu schauen. Es ist abartig war, die vier Liter Wasser (oder Wasseräquivalente wie Cola oder äh, Bier) die ich täglich in mich reinschütte, laufen umgehend wieder ausm Kopf raus. Die Strassen sind der Ort wo alles passiert, Handel, Wandel, Essen, Trinken, Freundschaft, Familie. Dementsprechend ist es voll, laut und eng. Vorfahrt hat der der später bremst und lauter hupt. Fußgänger gehen einfach und hoffen dass die Autofahrer ein Einsehen haben. Rangun hat viele wunderschöne alte Häuser im kolonialen Stil, verwittert und bewachsen. Und sehr viele neue, hohe, langweilige, hässliche Häuser. Leider werden die einen immer mehr und die anderen immer weniger.

Es gibt soviele Dinge zum Staunen, sei es das Bethelnusskauen und die dazugehörigen roten Zähne oder Thanaka, das vermutlich älteste Kosmetikprodukt der Welt, eine Paste aus Baumrinde die fast alle Frauen großflächig in lustigen Mustern im Gesicht verschmiert haben. Oder auch der Fakt dass es in Rangun Zweiräder verboten sind. Und man sieht auch tatsächlich fast keine. Höchstens abends. Und dann natürlich ohne Licht. Fahrrad-Rischkas gibt es aber ziemlich viele, als Modell Beiwagen. Ich habe mich aber noch nicht getraut eine zu benutzen, vermutlich müsst ich doppelt zahlen…

Achja, der Grund warum ich eigentlich hier bin ist ja ein Foto-Workshop, veranstaltet von Invisible Photographer Asia, das Thema ist Street- und Documentary Photography. Heute gings los, mit Kennenlernen und Fotos anschauen, die Gruppe ist super, der Workshopleiter hats drauf, die nächsten Tage versprechen aufregend zu werden. Also noch aufregender als es eh schon ist.

Leider ist das Internet nicht sehr stabil, insbesondere Fotos hochladen dauert ewig, da liefere ich noch nach.

Herbst in Kyoto

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Nach gut zwei Wochen Tokyo und dem aufregenden Wochenende in Seoul hatte ich mir ein wenig Entspannung und Kontemplation verdient und darum bin ich nach Kyoto gefahren, der Stadt die über 1000 Jahre kaiserliche Residenz war, etwa so groß wie Berlin ist aber nur ca. 1,5 Mio. Einwohner hat. Kyoto hatte dass Glück dass ein gewisser Henry L. Stimson die Stadt während seiner Flitterwochen besuchte. Er war 1945 Kriegsminister der USA und sorgte dafür dass die Stadt nicht bombardiert wurde und so einiges an alten Bauten, Schreinen, Tempeln erhalten ist. Die Anreise von Tokyo war die Gelegenheit endlich einmal mit dem Shinkansen, dem vermutlich besten, pünktlichsten und zuverlässigsten Zug der Welt zu fahren. 550 km in knapp zweieinhalb Stunden. Die durchschnittliche Verspätung eines Shinkansen beträgt 6 Sekunden. Alle Züge zusammen – und das sind einige, allein auf der Strecke Tokyo-Kyoto fährt ca. alle 15 Minuten ein Zug – haben pro Tag eine addierte Verspätung von unter 5 Minuten. Dazu geräumig, bequem und das Personal dazu ist aufmerksam und freundlich. Und ich habs versaut. Ich habe etwas getan, wonach jeder Japaner vermutlich noch im Zug rituellen Selbstmord begangen hätte. Ich habe meinen halbvollen Starbucks-Venti-Kaffeebecher umgeschmissen. Unglaubliche Sauerei. Es lief unter dem Vordersitz durch, denn natürlich ist ein Shinkansen nicht mit versifftem Nadelfilz ausgeschlagen sondern mit pflegeleichtem Kunststoff. Ich hatte ein Handtuch griffbereit und konnte die grösste Sauerei beseitigen und meine japanischen Mitreisenden haben einfach so getan als wäre ich nicht da aber ich konnte es ihnen ansehen, nie war ihr Glaube an ihre kulturelle Überlegenheit grösser als in diesem Moment. Die Tage in Kyoto habe ich dann tatsächlich hauptsächlich mit  Wanderungen durch die Stadt und Besichtigung der wichtigsten Parks, Schreine und Tempel verbracht. Abends im Hostel traf ich Tanja und Patric, die beiden sind seit gut sieben Monaten unterwegs, von Zürich auf dem Landweg bis nach Japan, ihren spannenden Blog findet sich hier. Und weil der Abend so nett war, haben wir den nächsten Tag auch gemeinsam verbracht und sind nach Nara gefahren, unweit von Kyoto und neben dem größten Holzgebäude der Welt dafür bekannt dass in der ganzen Stadt tausende mehr oder minder zahme Rehe herumlaufen, die von hauptsächlich chinesischen Touristen mit Keksen gefüttert werden. Da die Rehe aber scheinbar nicht zwischen Chinesen und dem Rest unterscheiden können, wird man ständig um Kekse angebettelt. Alternativ und wenn man nicht aufpasst, fressen die Biester auch schonmal einen Stadtplan. Wir aber erfreuten uns an prächtig herbstlichen japanischen Gärten und daran dass Ausländer hier dafür keinen Eintritt bezahlen müssen. Und nachdem wir zu Abend wieder einmal unglaublich guten Ramen hatten, liessen wir den Tag mit Bier und Sake am Flussufer ausklingen. So dachten wir. Bis sich Herr Tanaka und Herr Hiro zu uns gesellten, zwei schon leicht derangiert wirkende japanische Salarymen, die leidlich Englisch sprachen.

10347560_10205096597240100_7084244369350058236_nKaum sassen sie bei uns, schickte der Ältere den Jüngeren los, Snacks und Getränke holen. Der lief auch prompt los und kam wieder mit einer breiten Auswahl an Knabbereien, seltsam riechenden Gammelfleisch-am-Stiel das in jedem asiatischen Späti vorn an der Kasse in heissem Wasser steht und vor sich hin verwest. Genauso schmeckt es auch. Zum Glück hatte er auch diverse Tetrapacks mit Sake dabei und damit kriegt man ja bekanntlich alles runter. Und nachdem wir ein paar Dutzend mal auf die Völkerfreundschaft angestossen haben, verabschiedeten sich die beiden und nach ein paar Gruppenselfies wankten auch wir zurück ins Hostel.

 

O Seoule mio!

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Wir Mitglieder des internationalen Jetsets verbringen die Wochenende ja gern mal in einer anderen Stadt und so bin ich am vergangenen Wochenende fast spontan nach Seoul. Meine Zeit in Tokio war um, das große Gepäck habe ich in der Gepäckaufbewahrung abgegeben und bin in die Stadt geflogen die mich im vergangenen Jahr sehr nachhaltig beeindruckt hat um ein paar sehr nette Menschen zu treffen, ein bisschen durch die Stadt zu laufen und mich mal wieder richtig satt zu essen ohne mich dabei in den finanziellen Ruin zu stürzen.

Hat alles gut geklappt. Es ist ein ziemlich angenehm in eine Stadt zu kommen und das Gefühl zu haben man kennt sich aus, muss nicht fragen um voranzukommen, weiss wo es die guten Sachen zu essen gibt und Leute kennt die sich mit einem verabreden wollen.

Neben Leute treffen und Jajangmyeon essen hatte ich nur noch einen Punkt auf der Liste. Endlich eine Giant Rubberduck sehen. Seit einigen Jahren schickt der holländische Künstler Florentijn Hofman sehr sehr große Gummienten auf Reisen, diese schwimmen dann in Flüssen oder Hafenbecken, zumeist in Asien. Und aktuell in Seoul. Ein bisschen ausserhalb des Zentrums, in einem See. Erwähnte ich dass die Ente sehr sehr groß ist? Sehr. Und gelb. Und beglückend. Man läuft darauf zu, denkt wow, eine große gelbe Gummiente und steht irgendwann davor und hat das Gefühl purer Freude in sich und ist umgeben von Menschen denen es offenbar ähnlich geht.

Fast genauso beglückt fühlte ich mich am nächsten Tag, als ich beim ziellosen Laufen durch die Stadt plötzlich auf einen großen Gebäudekomplex stiess, nämlich das ddp, erbaut von der hochverehrten Zaha Hadid, nach dem phaeno in Wolfsburg, dem maxxi in Rom schon das dritte Gebäude von ihr was ich in diesem Jahr sehen konnte. Eine große, unerwartete Freude.

Es waren sehr intensive drei Tage in Seoul und ich bedauere es fast ein bisschen dass ich nicht doch ein paar Tage mehr dafür eingeplant habe.

Revolutionäre Bilder

“Like the leading article of the Party paper, the cinema should have great appeal and move ahead of the realities.  Thus, it should play a mobilizing role in each stage of the revolutionary struggle.”
Kim Il Sung

Erstaunlicherweise ist es ja schon wieder über einen Monat her seit ich aus Nordkorea zurück bin. Die Woche dort wirkt immer noch nach, es gibt so viele Erinnerungen. Während der Reise wurde unsere Gruppe von einem Kameramann des Reiseveranstalters begleitet, der uns beim Besichtigen all der großen Errungenschaften gefilmt und das ganze zu einer packenden Dokumentation zusammengeschnitten hat, ganz nach den Vorgaben des größten Cineasten aller Zeiten, dem Genossen Kim Jong Il.

Um das ganze erträglicher zu machen könnt ihr beim Anschauen auch ein kleines Trinkspiel spielen. Jedes Mal wenn ich zu sehen bin, trinkt ihr einen Schnaps. Und wer es bis zum Ende durchgehalten hat, sollte dann ordentlich einen drin haben.

So und jetzt Boxen aufdrehen und viel Spass!

Tokio Rückblick

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Gute zwei Wochen in Tokio sind vorbei und ich bin froh dass ich nicht vier Wochen hier war, wie ursprünglich mal geplant. Tokio ist großartig, einzigartig und sehr sehr aufregend. Aber anstrengend. Ich weiss noch gar nicht genau warum ich das so empfinde, ging mir selten bei einer Stadt so. Es ist alles perfekt organisiert, man findet sich gut zurecht, die Menschen sind freundlich, wenn auch nicht unbedingt sehr zugänglich, jedenfalls mir gegenüber. Oder vielleicht hätte ich doch länger bleiben sollen um zu schauen ob sich etwas verändert. Aber das hätte mich vermutlich ruiniert. Tokio ist teuer. An Tagen wo man nur ein bisschen Bahn fährt, zweimal was einfaches snacken geht, ist man schon locker 30 – 40 Euro los.

Wobei das Geld für essen hier gut investiert ist. Ich hab kein einziges Mal schlecht gegessen. Im Gegenteil, das Essen ist sensationell. Angefangen natürlich beim Sushi, was hier keine Reisklumpen mit bisschen was drin oder drauf ist, sondern im wesentlichen Fisch, sehr sehr guter, frischer Fisch, über Tempura, paniertes und fritiertes Gemüse/Pilze/Fisch, über Kleinigkeiten die der Japaner zum Bier nascht wie Yakitori – marinierte, gegrillte Fleischspiesse, bis hin zu Ramen, die es hier in so unfassbarer Bandbreite gibt, was die Art der Nudeln, Einlagen und Brühenbasis angeht. Könnt ich jeden Tag essen. Hab ich auch. Fast. Oh und ich weiß jetzt wo Sumo-Ringer ihre sportliche Figur herhaben. Sie essen riesige Mengen Chanko, eine Art Eintopf auf Misobasis mit allem was gut ist und Energie hat, Fleisch, Tofu, Kohl, Gemüse. Dazu gibts Reis.
Bei der schier unendlichen Auswahl an Restaurants, in Tokio gibt es angeblich ca. 160.000 gastronomische Betriebe, war mir dieser Blogartikel eine gute Hilfe.

Die Zeit zwischen den Mahlzeiten hab ich mir gut vertrieben, mit diversen hübschen Museen, das Edo-Tokyo-Museum zeigt sehr anschaulich die letzten 200 Jahre Stadtgeschichte, im Bridgestone-Museum werden Werke aus der Sammlung des gleichnamigen Reifenherstellers gezeigt, hauptsächlich europäische und japanische Moderne. Aktuell gibt es eine Sonderausstellung mit Bildern von Willem de Koning.

Oh und ich war im Kino, beim Tokyo International Filmfestival, quasi die Tokyonale. Ein, im Vergleich zur Berlinale, eher kleines Filmfest aber mit einem guten Programm, alle Filme die ich gesehen hab, drei Stück, könnten auch gut auf der Berlinale laufen. Rivers of exploding Durians, Ruined Heart: Another Lovestory between a Criminal & a Whore und Ecotherapy Getaway Holiday hiessen die Filme die ich gesehen habe und besonders bei den letzten beiden würde ich mich freuen wenn man die auch in Deutschland mal sehen könnte. Schade nur dass ich die Gesprächsrunde mit Takeshi Kitano verpasst habe, er hat den Samurai Award 2014 bekommen.

Und sonst noch? Vom Roboter-Restaurant schrieb ich ja schon und vom Fischmarkt. Empfehlen kann ich auch den Besuch eines Onsen-Bades, ich war hier und habe natürlich vorher alle Dinge auswendig gelernt die man beachten muss und war hinterher sehr sauber und sehr entspannt, ich war spät abends dort und hätte auch die ganze Nacht bleiben können, das hat nämlich durchgehend geöffnet, aber ich musste ja zur Thunfischauktion.

Auch wenn man auf den Bildern hier den Eindruck gewinnen könnte, die Frauen in Tokyo liefen alle in traditioneller Bekleidung rum, muss ich das dementieren, die sind nur so sehr fotogen:-). Auch der Eindruck dass es mehr Getränkeautomaten als Menschen gibt, täuscht. Wobei ich mir da nicht zu 100% sicher bin, die Dinger stehen wirklich an jeder Ecke. An jeder.

Hoch hinaus.

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Ich strebe ja gern ganz nach oben. Jedenfalls so lang es einen Fahrstuhl gibt und die Sicht vielsprechend ist. Höchste Häuser, Fernsehtürme, Aussichtspunkte, ich bin dabei. Heute war ich auf dem Toyko Skytree, mit 634m Höhe das aktuell zweithöchste Gebäude der Welt. Bei klarer Sicht kann man von hier sogar den Mount Fuji sehen. Klare Sicht gabs heut nicht, dafür aber ein Gefühl für die unfassbaren Dimensionen dieser Stadt.