Kategorien
Uncategorized

Taiwan – das andere China.

Neue Woche, neues Land. Falls es jemand zu rasant wird, haltet aus, bald wird es gemächlicher!

Letzte Woche also Taiwan. Ein Land was jeder kennt, was seit Jahrzehnten immer mal wieder in den Nachrichten ist. Das Land das offiziell Republic of China heisst. Das andere China, mit einer äusserst spannenden Entstehungsgeschichte die sich lohnt mal nachzulesen, z.B. bei Wikipedia, insbesondere auch die Verweise auf die beiden Staatsgründer Sun Yat-sen und Chiang Kai-shek und die sie umgebenden Verwicklungen, so wurde die Witwe Yat-sens später Präsidentin der kommunistischen Volksrepublik China, während ihre Schwester den Gründungspräsidenten Taiwans, Kai-shek heiratete. Oft gesehen haben werden sie sich in dieser Zeit vermutlich nicht.

Taipei, die Hauptstadt, ist für asiatische Verhältnisse eher eine Kleinstadt mit gut 2,5 Mio. Einwohnern, allerdings auf nur ca. 250 Quadratkilometern, weniger als einem Drittel der Fläche Berlins. Dicht bebaut und modern, wenn auch nicht so hypermodern wie z.B. Shanghai oder Singapur, auch weil man hier nicht den Eindruck hat, dass alle 15 Jahre die komplette Bebauung ausgetauscht wird.
Um ein kleines Geheimnis zu verraten, eine meiner geheimsten Leidenschaften sind ja Elevated Roads, Strassen auf Stelzen die sich überall in asiatischen Großstädten finden lassen und sich in bis zu 30 Metern Höhe durch die Städte schlängeln, oft in mehreren Lagen übereinander, mit Kreuzungen, Abzweigungen, drüber, drunter oder dazwischen oft noch eine Ebene mit Gleisen für Züge. Hat den Vorteil dass man den Lärm und den Dreck nicht am Boden hat, es weniger Staus gibt weil oben weniger Kreuzungen und Ampeln sind. Und ausserdem sieht es super aus und Taiwan hat wirklich die beeindruckendsten Hochstrassen die ich bisher gesehen habe. Ich könnte mir das in Berlin auch gut vorstellen, z.B. gut vom Alex bis zum Zoo, übers Brandenburger Tor hinweg, man könnte die ganzen Linden zu einer Fußgängerzone machen und der 17. Juni wird für den Tiergarten renaturiert. Oder so:-)

Ich bin also eine Woche lang durch die Stadt gelaufen und habe gestaunt und mich gefreut. Und weil laufen und staunen hungrig macht habe ich gegessen. Taiwan hat eine einzigartige Küche die ein Mix ist aus diversen chinesischen Regionalküchen, die mit den Fliehenden im Zuge der Staatsgründung auf die Insel kamen, dazu Einflüsse der Ureinwohner und aus der kolonialen Geschichte. Es gibt grandiose Dim Sums, Nudelsuppen zum drin baden, ausserdem tolles Streetfood überall wo man geht und steht und natürlich auf den diversen Nachtmärkten für die die Stadt berühmt ist. Sehr mochte ich z.B. Muschel Hawaii – eine Jacobsmuschel mit frischen Ananasstücken und Käse überbacken.

Und falls sich mal jemand gefragt hat wo all die freundlichen, höflichen, rücksichtsvollen und an ihrer Umwelt interessierten Chinesen leben, die es in der Volksrepublik nicht gibt, sie sind in Taiwan, sie müssen beim Rückzug der Kuomintang auf die Insel alle mitgekommen sein. Oder aber der Einfluß der freien Welt hat hier geholfen. Dann besteht ja zumindest noch ein wenig Hoffnung für das andere China. Habe ich hier etwa Vorurteile und verallgemeinere? Ja natürlich:-)

 

 

Kategorien
Uncategorized

Ho ho ho in Singapur

Waaas, Du willst eine Woche nach Singapur, da ist es doch so langweilig, drei Tage reichen vollauf. – das war es was ich vorab verschiedentlich gehört habe.

Singapur ist vermutlich die sauberste Stadt der Welt, mit einem extrem hohen Grad an Organisiertheit. Aller Alltag ist vorausgedacht und jede das Zusammenleben störende Abweichung wird reglementiert. Überall wird man darauf hingewiesen was man darf und was nicht. Praktischerweise ist die entsprechende (Geld)Strafe in saftiger Höhe auch gleich mit abgedruckt.
Kaugummis sind bekanntermassen komplett verboten, die Einfuhr von Zigaretten ebenfalls. Geraucht wird öffentlich nur draussen, in speziell gekennzeichneten Zonen. Sitzen hier, stehen da, keine Durians in der U-Bahn.
Auf die Dauer würde es mir vermutlich ziemlich auf den Geist gehen, nach Sri Lanka fand ich all die Sauberkeit und Geordnetheit sehr angenehm.
Es gibt ein paar Dinge anzuschauen, da es aber durchgehend unfassbar heiss und sonnig ist, hielt sich meine Motivation stundenlang durch die Stadt zu laufen ziemlich in Grenzen. Es gibt beeindruckende moderne Architektur (man hat den Eindruck kein Gebäude wär älter als 10 Jahre und überall wird auch abgerissen und neugebaut), hübsche Parks und ein paar Ausflugsziele auf den vorgelagerten Inseln. Die Zeit vertreibt man sich in Singapur aber am besten mit Shopping und Essen. Shopping ist nicht so meins, also habe ich mich aufs Essen konzentriert. Chinesen, Malayen und Inder sind die größten Bevölkerungsgruppen und alle haben ihre eigenen Viertel, wo es sensationelles Strassenessen zu lächerlichen Preisen gibt (Wobei man vor einigen Jahren im Kontroll- und Hygienewahn alle Essenstände in den Vierteln zusammen in sogenannte hawker stalls gepfercht hat, überdachte Stände wo man Essen kauft und dazwischen sitzen kann.), dazu tolle Restaurants in allen Preisklassen.

Bei meinem Fotoworkshop in Burma kam ja ein Großteil der Teilnehmer aus Singapur und so hatte ich für meine Zeit schon diverse Verabredungen zum Ausgehen, Fotowalken, Ausstellungseröffnungen auch zur Weihnachtsfeier des Workshopveranstalters. Die leider einen Tag zu spät stattfand. Zunächst. Erfreulicherweise konnte ich meinem Flug um einen Tag verschieben und konnte mir die volle internationale Weihnachtsdröhnung geben. Und das in kurzen Hosen.

Kategorien
Sri Lanka

Sri Lanka. Eine interessante Erfahrung.

Das klingt jetzt nicht übermässig euphorisch und so ist es auch gemeint. Ich habe natürlich viel zu wenig gesehen um es in Gänze beurteilen zu können. Ich bin ein paar Tage durch Colombo gelatscht und habe nichts gefunden wo ich unbedingt jemand hinschicken möchte. Es ist eine volle, laute, unorganisierte Stadt ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten.  Gutes Essen Fehlanzeige. Der Umgang der Menschen miteinander rücksichtslos. Es wird gedrängelt, geschubst, der Verkehr ist infernalisch, es sind ausschliesslich Irre motorisiert unterwegs, es wird mit Brutalität gefahren die ich bisher nirgends erlebt habe. Große Autos beanspruchen natürlich die ihnen gebührende Anerkennung, diese sind alle anderen Verkehrsteilnehmer (hauptsächlich Tuktuks) nicht gewillt zu gewähren und so ist das regulierende Prinzip einzig die Angst dass das eigene Fahrzeug beschädigt werden könnte, wenn nicht doch noch gebremst wird.

Kandy war nicht viel anders. Immerhin, es gibt den Buddhazahn. Und das Essen war besser.
Ella hat mir gefallen. Prima zum Wandern, nette Ausflugsziele in der Umgebung. Teeplantagen, Teefabriken und endlich leckeres Essen. Sehr leckeres Essen. Ich weiss jetzt wie sich Monsun anfühlt. Und dass Gleise einen prima Fußwegersatz sind, solang es einfacher ist einem nahenden Zug auszuweichen als den Irren auf der Strasse. Ich weiss jetzt dass es ein einträchtiges Geschäftsmodell ist, Wanderer erst in die Irre zu schicken um sie kurz vor der Verzweiflung ins Licht (aka Gipfel) zu führen. Gegen eine kleine Aufwandsentschädigung.

Entgegen dem Rat des Auswärtigen Amtes habe ich einen Überlandbus benutzt. Und bin dankbar noch am Leben zu sein. Mit welcher Sorglosigkeit der Bekloppte am Steuer sechs Stunden lang mit dem Leben von 40 Menschen spielt, war wirklich beeindruckend.
Immerhin, ich bin am Strand von Hikkaduwa angekommen und habe ein paar Tage entspannt. Lesen, am Strand auf und ab laufen. Alte Tatorte gucken. Ausschlafen. Gingerbeer trinken. Bier trinken. Schildkröten streicheln.

Was mich am allermeisten genervt hat ist die Distanzlosigkeit mit denen man Fremden begegnet. Ob ich lese oder am Telefon rumspiele, schreibe, in die Gegend starre, jedermann quatscht mich an. Fragt mich aus, erzählt mir irgendwas, fasst mich an. Was alles irgendwie ok wäre, wenn man das Gefühl hätte es gäbe echtes Interesse. Es läuft aber immer darauf hinaus, mir etwas verkaufen zu wollen. Taxi, Tuctuc, Geldwechsel, Hotelzimmer, wertvolle Edelsteine, ein Abend mit seiner Schwester.

Ich weiss wie gesagt dass ich nur einen sehr kleinen Teil des Landes gesehen und viel verpasst habe. Das mein Gemotze hier nur eine Verdichtung ist, ist vermutlich auch jedem klar. Es war keine verschenkte Zeit und ich bin froh dort gewesen zu sein und bestimmt gibt es irgendwann noch einmal eine zweite Begegnung, dann haben sie vielleicht auch die Unmengen Bilder von ihrem albernen Präsidenten wieder abgehängt, mit denen das Land grad zugepflastert ist.

Kategorien
Sri Lanka

Kandy und Ella

Endlich wieder zugfahren. Nachdem ich in den letzten Tagen immer noch ziemlich von einer Erkältung geplagt bin, war meine Lust auf fröhliches von Ort-zu-Ort-backpacken etwas begrenzt. Gestern bin ich dann von Colombo nach Kandy gefahren, eine gemütlich-rumpelige Dreistundenfahrt über Stock und Stein, durch schöne Landschaften, vorbei an Städten, Dörfern, Siedlungen. Weil Kandy ein Kopfbahnhof ist und der Zug hinterher noch ein paar Stunden weiterfährt und der eng getaktete Zeitplan rangieren nicht erlauben würde, fuhren wir die ganze Zeit rückwärts. Über mir kreist ein Ventilator aus dem es unentwegt Funken schlägt.
In Kandy laufe ich zu meinem Hotel, gute 2km, weil ich mich für keinen der ca. 300 Tuktukfahrer, die mir am Bahnhof ihre Dienste anbieten, entscheiden konnte. Kandy selber ist eine eher uninteressante Stadt. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist ein Tempel in dem ein Zahn von Lord Buddha gezeigt wird. (Nachdem ich vor einigen Tagen schon ein Haar von ihm gesehen hab, musste ich dahin.) Oder auch nicht. Er ist nämlich matroschkaartig sechsmal in Gold eingepackt und auch dieses Paket wird nur zweimal am Tag kurz rausgeholt. wusste ich aber nicht also kaufe ich ein Ausländerticket (Einheimische gehen natürlich umsonst rein), gebe meine Schuhe ab und reihe mich ein in den Strom der nach Erleuchtung strebenden. Hat bei mir leider nicht geklappt. Lag vermutlich dran dass ich die ganze daran denken musste dass ich hier in den Knast komme wenn ich mich mit dem Rücken zu einer Buddha-Statue fotografiere. Und davon gibs hier reichlich.
Ansonsten liegen die Schönheiten von Kandy wohl eher im verborgenen. Ich bin etwas genervt und habe keine Lust sie zu suchen. Man wird hier als offensichtlich Nichteinheimischer im Minutentakt angequatscht. Immer mit der gleichen Masche. Hello my friend. Where are you from? Germany. Holland. Russia. Ich variere. Anschliessend folgt immer ein Satz, ein Wort in der dazu passenden Landessprache. Lachen. Hand fasst meinen Arm an. Es folgt das Angebot als Fahrer/Führer/Geldwechsler für mich tätig zu werden. Bleibe ich stehen um auf dem Telefon Google Maps zu checken, bleibt jemand eng neben mir stehen und glotzt mir aufs Display. Patscht drauf, will mir zeigen wo wir sind um anschliessend anzubieten als Fahrer/Führer/Geldwechsler für mich tätig zu werden.

Nunja, heut bin ich weitergefahren nach Ella, einer kleinen Stadt im Hochland, sieben Stunden mit dem Zug. Ich gönne mir ein 1.Klasse-Ticket für 7 Euro und los gehts. Es ist bequem, klimatisiert, nur die Scheiben sind nicht geputzt. Praktischweise stehen aber alle Türen in den Waggons offen so dass man gut fotografieren kann. Es geht durch tiefen, dichten Dschungel in die Berge, bis auf knapp 2.000m, vorbei an riesigen Teeplantagen. Zum lesen komme ich kaum, es ist eine atemberaubende Landschaft.
In Ella bleibe ich die nächsten drei Nächte, das Hotel ist toll, ich blicke vom Bett aus direkt in den – etwas nebelverhangenen – Dschungel, vor dem Zimmer steht ein Schaukelstuhl, es gibt schnelles Internet und kaltes Bier.

 

Kategorien
Uncategorized

But Sir!

Heute war es soweit, heute gabs den ersten Versuch mich solide abzuzocken. Ich laufe am Abend ein bisschen durch die Gegend, ein junger Mann weisst mich darauf hin dass meine Fototasche offen ist. Er bleibt bei mir, fragt dies und das, erzählt dass er grad auf dem Weg in einen Tempel ganz in der Nähe wo eine sehr seltene Zeremonie stattfindet und ausserdem gäb es einen Babyelefanten. Ich denk so bei mir, super, Babyelefanten! da fragt er ob ich nicht mitkommen will. Klar will ich. Wir gehen ein Stück, da sagt er wir müssten uns beeilen, is nich mehr lange offen, wir sollten ein Taxi nehmen. Prompt hält eines dieser solide kontruierten und vertrauenerweckenden dreirädrigen Tuktuks neben uns. Was soll schon passieren denk ich und steige ein. Wir fahren tatsächlich zum Babyelefantentempel, es kostet wie üblich einen saftigen Eintritt fürs Schuhe bewachen, natürlich nur für Touristen. Der Tempel ist vollgestopft mit sehr skurillem Kram, die seltene Zeremonie sind drei Typen die auf Schlangenbeschwörertröten rumtröten. Aber es gibt tatsächlich einen Babyelefanten der sich im stockfinstren Garten mit Grünzeug und Keksen vollstopft. Die Kekse darf ich ihm reichen. Überraschenderweise werde ich nach einer Spende gefragt. Klar doch.

Der Präsident. Er mag Telefone.
Der Präsident. Er mag Telefone.

Ich erfahre noch dass der sehr beliebte Präsident (dessen großformatige Portraits in der Stadt es anzahlmässig locker mit denen der Geliebten Führer in Pjöngjang aufnehmen können) hier jeden Morgen zum beten her kommt und dass der alte Rolls Royce vor der Tür mal von Queen Elisabeth benutzt wurde. Heut fährt damit der Abt damit zum Einkaufen.
Unser Tuktuk steht zufälligerweise noch vor der Tür, es soll zurück zum Strand gehen, beim Einstieg faselt er was von einer Ausstellung die wir gleich um die Ecke ansehen könnten, liegt aufm Weg. Ich sage nix, wir fahren los und sind gleich da, es geht auf einen Hof, überm Eingang steht was von Edelsteinausstellung. Aha, daher weht also der Wind denke ich und tatsächlich versuchen mir zwei Aale ohne großartige Einleitung ein paar blankpolierte Kiesel die gut für alles mögliche sein sollen, anzudrehen. Dankeschön sag ich, stehe auf und gehe, mein freundlicher junger Begleiter folgt mir etwas irritiert schauend, sagt aber nix. Wir fahren weiter, die Richtung stimmt, wenigstens werde ich also nicht in irgendeinem finsteren Vorort ausgesetzt. An der Strandpromenade will ich aussteigen, nach einmal insistieren hält er auch tatsächlich an. Ich frage was es kostet, er sagt 4.500 Rupies. Ich meine mich verhört zu haben und frage noch einmal. 4.500 Rupies. Das ist knapp das doppelte was meine fünfzigminütigen Taxifahrt vom Flughafen in einem klimatisierten Prius gekostet hat, ca. 30 Euro. Ich lache ihn aus, gebe ihm 500 und verabschiede mich. Woraufhin der Typ der mich aufgegabelt hat anfängt mit großen Gesten Scheine an den Fahrer zu reichen und mir nachläuft und jetzt doch wenigstens 1.500 von mir will, er könne das ja schliesslich nicht alles selber zahlen.

Ich lache immer noch und gehe.

Kategorien
Uncategorized

Krank in Kuala Lumpur

Von Kuala Lumpur hatte ich keine rechte Vorstellung, wusste nur dass ich gern mal hin wollte.
Nach einigen Tagen weiss ich jetzt, es ist keine sonderlich hübsche Stadt, sie besteht im wesentlichen aus langweiligen Hochhäusern und sehr sehr vielen großen Malls in denen die gleichen langweiligen Läden sind wie in so ziemlich allen großen Malls auf der Welt. Einen Tag lang bin ich durch die Malls gerannt weil ich dringend eine neue kurze Hose brauchte, meine ist durch ein, äh, Missgeschick unbrauchbar geworden. Nein, nicht so ein Mißgeschick. Ich hatte den Kindle in der Arschtasche und bin in die Hocke gegangen weil ich einen sehr großen Käfer fotografieren wollte. Naja, es gab dieses Geräusch und in Folge einen sehr langen Riß. Hätte sicher irgendjemand flicken können aber mein Vertrauen war dahin.
Jedenfalls, in einer Stadt, in der der durchschnittliche männliche Bewohner etwa so groß ist wie ich zur Einschulung, eine Hose mit Bundweite 38 zu finden (immerhin nicht 42 wie noch zu Beginn der Reise), war sportlich. Zwischendurch sah ich mich schon in einer grauen Gummizughose von Hasi&Mausi. Bei Timberland gab es dann was, ich vermute es handelt sich eigentlich um eine lange Hose für einen sehr kleinen, fetten Mann. Aber immerhin, sie passt und hat nur den Gegenwert von ca. 25 warmen Mahlzeiten in Kuala Lumpur gekostet. Überhaupt, das Essen hier ist wirklich eine Freude. Überall gibt es was, Strassen voller Restaurants, erstaunlich gute Foodcourts in den Malls (für irgendwas müssen die ja gut sein.) und leckeres Streetfood. Malayisch, chinesisch, indisch, thailändisch, so vielfältig wie die Herkunft der Bewohner ist auch das Essen. Und endlich weiss ich auch wie Durian schmeckt, auch Käse- oder Stinkfrucht genannt. Der Geruch ist schon ziemlich krass, man könnte die Frucht auch Stinkerkäsefrucht nennen und so dachte ich, probier ichs zum Einstieg mal mit einem Milchshake. Und es war grauselig. Es schmeckt nach altem, vergammelten Käse, der Geschmack hält sich ewig und kommt auch immer wieder hoch. Den Verzehr der puren Frucht hab ich erstmal zurückgestellt.

Ich hab mir in Burma eine solide Erkältung eingefangen so dass ich einige Zeit im Bett verbracht hab und auch nicht so viel unterwegs war und fotografiert hab wie sonst so. Immerhin für einen sehr netten Abend mit einer Zufallsbekanntschaft und diversen Singapore Slings in einer Skybar gegenüber der Petronas Towers hat die Energie gereicht:-)

Kategorien
Burma

Blick zurück nach Burma

Burma/Birma oder Myanmar wie es seit einigen Jahren offiziell heisst (weil es der Name ist den das Militärregime dem Land gegeben hat, wird er im Westen nur eingeschränkt verwendet) taucht seit Ewigkeiten in schöner Regelmässigkeit in unseren Nachrichten auf, so richtig etwas damit anzufangen wissen aber die wenigsten. Was auch daran liegt, dass es sehr lange sehr abgeschottet wurde und insbesondere individuelles Reisen erst seit einigen Jahren möglich ist.  Und alles was man in den letzten Jahren über Reisen in das Land las, klang zwar interessant aber auch immer ein bisschen kompliziert und beschwerlich.

Für meine Tour hatte ich es auf der Ichkönntjamal-Liste weil es eigentlich nicht so richtig in den Plan passte. Aber Pläne sind ja schliesslich dazu da um geändert zu werden und als ich bei Invisible Photographer Asia, einer Organisation die sich der Förderung der Fotografie speziell in Asien verschrieben hat, ganz zufällig auf ein Angebot für einen Foto-Workshop in Rangun stiess, hat es nicht lang gedauert bis die Pläne angepasst waren. Hong Kong rausgeflogen (war ich schon), Japan gekürzt. Flug gebucht. Und weil es ja schon vorher so viele spannende Dinge zu erleben gab, war meine Vorbereitung eher oberflächlich. Das Thema des Workshops war Street- und Documentary Photography. Beschäftigt euch mit der Stadt und denkt euch ein Projekt aus dass ihr während der Zeit umsetzen wollte.
Hmm ja, halt rumlaufen, Stadt und Leute knipsen. Wobei ich bei mir dachte, mach ich was dokumentarisches, über die koloniale Architektur und so, denn im Prinzip finde ich Menschen auf Fotos eher störend und stehe schonmal 10 Minuten irgendwo rum um die Sekunde zu erwischen wo niemand durchs Bild latscht. Allerdings hat sich in den letzten Jahren mein Eindruck verstärkt dass Menschen die Bilder angucken, es ganz gerne haben wenn auf den Bildern auch Menschen drauf sind. Jedenfalls wenn es sich nicht um ordinäre Durchsbildlatscher handelt.
Meine Vorbereitung bestand im Wesentlichen aus ein paar Wikipedia-Artikeln und diesem Bericht auf Spiegel Online, der einige Tage vor der Reise erschien. Praktischerweise hatte ich damit mein „Projekt“ gefunden, mit dem Zug ein bisschen durch die Stadt juckeln und schauen was so passiert.

Ich war anderthalb Tage vor Workshopbeginn in Rangun und hatte so ein bisschen Zeit um mir ein Bild zu machen, durch die Stadt zu laufen, ein paar Touri-Hotspots wie die Shwedagon Pagode abzuhaken und ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen. Es ist heiss, es ist voll, es ist laut und es ist ziemlich dreckig. Zwar scheint es eine Müllabfuhr zu geben – es stehen jedenfalls wie fast überall auf der Welt die 240l-Zweiradbehälter der Firma Otto rum, ein Großteil des Abfalls, organischer wie anorganischer, landet wo er grad anfällt, auf der Strasse, hinterm Haus, im Fluss, in der Kanalisation. Trotzdem sind sehr viele Leute damit beschäftigt, irgendetwas zu putzen.
Ein Großteil des  Leben findet auf der Strasse statt, die Gehwege sind voll mit Händlern und Essensständen die manchmal fast restaurantartige Dimensionen haben, mit Tischen und Hockern die da stehen wo eigentlich Autos parken. Dazwischen Hunde, Katzen, Tauben und nachts auch noch andere Viecher. Gehandelt wird mit allem, besonders mit raubkopierten DVDs und mit SIM-Karten, Telefonen, Zubehör. Bis vor wenigen Monaten war es für Privatmenschen quasi unmöglich und unbezahlbar ein Mobiltelefon zu besitzen, inzwischen gibt es neben dem Netz der staatlichen Post auch noch zwei private Netze ausländischer Betreiber die zumindest in Rangun schon ziemlich gut funktionieren. Und jede/r hat ein Telefon. Sehr erstaunlich wie schnell das offensichtlich Teil der Alltagskultur geworden ist.
Etwas kommt mir merkwürdig vor und nach zwei Tagen fällts mir auf. Die Autos hier haben zwar das Lenkrad auf der rechten Seite, gefahren wir aber ebenfalls rechts (ganz normal wie bei uns). Nach der Unabhängigkeit vom Empire wurde das wohl mal umgestellt, die Autos hat man aber trotzdem weiter hauptsächlich (gebraucht) aus Japan, weils halt billiger ist.
Man spürt in der ganzen Stadt eine Dynamik, eine Aufbruchstimmung, es vibriert regelrecht, alle warten auf irgendein Zeichen dass es jetzt endlich losgeht, nachdem man ja einigen Jahrzehnte im realsozialistischen Dornröschenschlaf verbracht hat. Möglicherweise sind ja die  Wahlen im nächsten Jahr das Zeichen.

Achja, der Workshop. Der erste Tag verging mit vorstellen, Bilder zeigen und ein paar Übungen zur Betrachtung und Bewertung von Bildern. Eine bunt gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus Singapur, Australien, Burma und icke.
Die nächsten drei Tage verbrachten wir mit fotografieren. Ich mit der eindeutigen Aufgabe, ausschliesslich eine kurze Brennweite zu verwenden und näher ranzugehen, denn, das war wohl beim Review meiner mitgebrachten Bilder recht offensichtlich, wenn ich schon Menschen fotografiere, dann aus der Distanz, mit den entsprechenden Nachteilen.
Also hab ich versucht näher ranzugehen, was einem in Burma netterweise sehr leicht gemacht wird, die Menschen lassen sich fotografieren, freuen sich, sind interessiert. Und so hab ich mich durch Züge, Bahnhöfe, Märkte, Fähren, Dörfer, Zoos, Vergnügungsparks und Klöster geknipst. Und war ganz schön dicht dran. Insgesamt waren es sehr produktive und lehrreiche Tage, eine Schau von Bildern aller Teilnehmer findet sich hier. Und dank der einheimischen Teilnehmer haben wir die Abende in grandiosen Restaurants verbracht, die burmesische Küche hat so einiges zu bieten.

Burma-21Ich wurde übrigens auch oftmals selbst zum Objekt. Der Burmese hat zurückgeknipst. Mal nur mich, mal mit daneben stellen. Die Krönung war eine Gruppe von gut 50 jungen Menschen die sich alle einzeln mit mir (und meiner Begleitung) haben fotografieren lassen. Gelegentlich hab ich dann auch noch zum Selfie gebeten.

Gruppenselfie mit neugierigen Burmesenmädchen

Kategorien
Burma

In den Zoo! In den Zoo!

Geh mal in den Zoo sagten sie zu mir, dass ist ein interessanter Ort zum Fotografieren. Hab ich gemacht. Kein Ort zum Wohlfühlen.

Kategorien
Burma

Zugfahrt nach Mawlamyine

Montag morgen, 07:15h, Rangun Central Station, ich sitze im Zug nach Mawlamyine (vormals Moulmein), der früheren Hauptstadt des britisch-kolonialen Burmas. Eigentlich wollte ich die verbleibenden Tage im Land ja für einen Ausflug nach Bagan nutzen und mir die vermutlich sehr beeindruckenden Tempelanlagen anschauen. Nach der ziemlich anstrengenden Woche in Rangun folge ich der Empfehlung einer einheimischen Teilnehmerin des Foto-Workshops und ändere die Pläne. Sie schaute ziemlich entgeistert als ich sie nach einer Zugverbindung fragte (Es gibt doch Busse!?!). Kein Wunder, für die 250km braucht der Zug 10 Stunden. So genau weiss man das vorher nicht. Seis drum, ich hab ja Zeit! Fahrkarten gibt es nicht im Vorverkauf, nur am Tag daselbst, an einem Schalter in der hintersten Ecke des Bahnhofs. An dem ich pünktlich um sechs Uhr stehe, meinen Pass vorzeigen muss. Mein Name wird in die Sitzplatzreservierungsliste eingetragen, ich buche natürlich Upper Class (gepolsterte Sitze, yeah!) und zahle überraschenderweise nur den Einheimischenpreis von ca. 3,50 Euro (inkl. Unfallversicherung!) Die Sitze sind bequem, der Abstand geradezu luxuriös. Fensterscheiben gibt es nicht, wenn man mag kann man eine Blechjalousie mit Lichtschlitzen runterschieben. Mach ich aber nicht, ich will ja was sehen. Und ich sehe eine Menge. Das schnell noch auf den Kindle geladene Buch „Days in Burma“ von George Orwell, was er während seiner Zeit als Kolonialbeamter in Moulmein schrieb, muss warten. Der Zug zuckelt in unterschiedlichen Ausprägungen von langsam durchs Land. Sobald es mal in Richtung 50 km/h geht, schaukelt sich der Zug so auf dass alle Fahrgäste im Takt in ihren Sitzen auf und ab hüpfen. Ein sehr lustiges Bild, an lesen ist auch deshalb nicht zu denken. Beeindruckend, dass die Frauen, die an jeder Station zusteigen und bis zum nächsten Halt durch die Zug laufen und Getränke, Snacks und warme Mahlzeiten verkaufen, es bei dem Geruckel schaffen ihre Waren auf dem Kopf zu balancieren. Auch wenn das Essen gut aussieht und riecht, ich nehme Abstand davon etwas zu kaufen, den eher lockeren Umgang mit grundsätzlichen Regeln der Lebensmittelhygiene möchte ich meine Magen nicht ausbaden lassen. Immerhin, es gibt kaltes Dosenbier. Stunde um Stunde ruckelt der Zug durchs Land, vorbei an grandiosen weiten Landschaften mit dichter Vegetation, Kokos- und Bananenpalmen, auf jeder Erhebung sieht man die goldene Spitze einer Pagode. Dazwischen Siedlungen und Dörfer, in der Regel eine Ansammlung von einfachsten Pfahlbauten, Dach und Wände sind ein Geflecht aus Palmblättern. In diesem Entwicklungsland hat ausserhalb Ranguns scheinbar noch nicht viel Entwicklung stattgefunden, wenn man mal von den grandiosen Müllbergen absieht die sich allerorten hinter den Häuser ausbreiten. Werden die Haufen zu gross, zündet man sie einfach an. Meine Mitreisenden tragen fleissig zur Vermüllung bei indem sie einfach alles was nicht mehr benötigt wird aus dem Zugfenster schmeissen. Um 16;50h, pünktlich auf die Minute, erreichen wir Mawlamyine, die Reisenden werden schon am Gleis bestürmt von Taxifahrern die ihre Dienste anbieten. Wobei Taxi hier Motorroller bedeutet. Ich habe mich kobern lassen und bin skeptisch als der freundliche junge Mann mit dem sympathischen, vom Bethelnusskauen tiefrot gefärbten Lachen mich auffordert auf seinem Mopped Platz zu nehmen. Ich habe zwar in den letzten Wochen ein paar Kilo verloren, dafür aber meinen 20kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Meine Sorge ist unbegründet, mit mir hinten drauf sind wir so langsam dass uns vermutlich der Zug überholen könnte. Und es kommt wie es kommen muss, am ersten Hang verreckt die Karre, mein Fahrer winkt einen Kumpel mit einem etwas kräftigeren Gefährt ran und ich muss umsteigen. Nun habe ich ein bisschen Angst denn der Typ will nun zeigen dass sein Roller es draufhat und wir brettern durch die Stadt, ich klammere mich an einem Griff fest und versuche nicht nach hinten zu kippen, was bei den recht steilen Strassen gar nicht so einfach ist. Aber ich habe Glück und werde wohlbehalten an meinem Hotel abgesetzt, kann mich frisch machen und finde eine erste Bestätigung für die Behauptung dass es in Mawlamyine das leckerste Essen im ganzen Land gibt, in Form eines Avocadosalates mit gehackten Erdnüssen und wirklich sensationellem Fried Rice mit Seafood. Weil es voll ist an der Strandpromenade, setzt man mir einfach zwei weitere Gäste an den Tisch, ein Pärchen aus Polen, ebenfalls längere Zeit auf Tour und so plaudern wir den ganzen Abend über die verschiedenen Aspekte des Reisens.

Kategorien
Japan

Herbst in Kyoto

Nach gut zwei Wochen Tokyo und dem aufregenden Wochenende in Seoul hatte ich mir ein wenig Entspannung und Kontemplation verdient und darum bin ich nach Kyoto gefahren, der Stadt die über 1000 Jahre kaiserliche Residenz war, etwa so groß wie Berlin ist aber nur ca. 1,5 Mio. Einwohner hat. Kyoto hatte dass Glück dass ein gewisser Henry L. Stimson die Stadt während seiner Flitterwochen besuchte. Er war 1945 Kriegsminister der USA und sorgte dafür dass die Stadt nicht bombardiert wurde und so einiges an alten Bauten, Schreinen, Tempeln erhalten ist. Die Anreise von Tokyo war die Gelegenheit endlich einmal mit dem Shinkansen, dem vermutlich besten, pünktlichsten und zuverlässigsten Zug der Welt zu fahren. 550 km in knapp zweieinhalb Stunden. Die durchschnittliche Verspätung eines Shinkansen beträgt 6 Sekunden. Alle Züge zusammen – und das sind einige, allein auf der Strecke Tokyo-Kyoto fährt ca. alle 15 Minuten ein Zug – haben pro Tag eine addierte Verspätung von unter 5 Minuten. Dazu geräumig, bequem und das Personal dazu ist aufmerksam und freundlich. Und ich habs versaut. Ich habe etwas getan, wonach jeder Japaner vermutlich noch im Zug rituellen Selbstmord begangen hätte. Ich habe meinen halbvollen Starbucks-Venti-Kaffeebecher umgeschmissen. Unglaubliche Sauerei. Es lief unter dem Vordersitz durch, denn natürlich ist ein Shinkansen nicht mit versifftem Nadelfilz ausgeschlagen sondern mit pflegeleichtem Kunststoff. Ich hatte ein Handtuch griffbereit und konnte die grösste Sauerei beseitigen und meine japanischen Mitreisenden haben einfach so getan als wäre ich nicht da aber ich konnte es ihnen ansehen, nie war ihr Glaube an ihre kulturelle Überlegenheit grösser als in diesem Moment. Die Tage in Kyoto habe ich dann tatsächlich hauptsächlich mit  Wanderungen durch die Stadt und Besichtigung der wichtigsten Parks, Schreine und Tempel verbracht. Abends im Hostel traf ich Tanja und Patric, die beiden sind seit gut sieben Monaten unterwegs, von Zürich auf dem Landweg bis nach Japan, ihren spannenden Blog findet sich hier. Und weil der Abend so nett war, haben wir den nächsten Tag auch gemeinsam verbracht und sind nach Nara gefahren, unweit von Kyoto und neben dem größten Holzgebäude der Welt dafür bekannt dass in der ganzen Stadt tausende mehr oder minder zahme Rehe herumlaufen, die von hauptsächlich chinesischen Touristen mit Keksen gefüttert werden. Da die Rehe aber scheinbar nicht zwischen Chinesen und dem Rest unterscheiden können, wird man ständig um Kekse angebettelt. Alternativ und wenn man nicht aufpasst, fressen die Biester auch schonmal einen Stadtplan. Wir aber erfreuten uns an prächtig herbstlichen japanischen Gärten und daran dass Ausländer hier dafür keinen Eintritt bezahlen müssen. Und nachdem wir zu Abend wieder einmal unglaublich guten Ramen hatten, liessen wir den Tag mit Bier und Sake am Flussufer ausklingen. So dachten wir. Bis sich Herr Tanaka und Herr Hiro zu uns gesellten, zwei schon leicht derangiert wirkende japanische Salarymen, die leidlich Englisch sprachen.

10347560_10205096597240100_7084244369350058236_nKaum sassen sie bei uns, schickte der Ältere den Jüngeren los, Snacks und Getränke holen. Der lief auch prompt los und kam wieder mit einer breiten Auswahl an Knabbereien, seltsam riechenden Gammelfleisch-am-Stiel das in jedem asiatischen Späti vorn an der Kasse in heissem Wasser steht und vor sich hin verwest. Genauso schmeckt es auch. Zum Glück hatte er auch diverse Tetrapacks mit Sake dabei und damit kriegt man ja bekanntlich alles runter. Und nachdem wir ein paar Dutzend mal auf die Völkerfreundschaft angestossen haben, verabschiedeten sich die beiden und nach ein paar Gruppenselfies wankten auch wir zurück ins Hostel.