Kandy und Ella

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Endlich wieder zugfahren. Nachdem ich in den letzten Tagen immer noch ziemlich von einer Erkältung geplagt bin, war meine Lust auf fröhliches von Ort-zu-Ort-backpacken etwas begrenzt. Gestern bin ich dann von Colombo nach Kandy gefahren, eine gemütlich-rumpelige Dreistundenfahrt über Stock und Stein, durch schöne Landschaften, vorbei an Städten, Dörfern, Siedlungen. Weil Kandy ein Kopfbahnhof ist und der Zug hinterher noch ein paar Stunden weiterfährt und der eng getaktete Zeitplan rangieren nicht erlauben würde, fuhren wir die ganze Zeit rückwärts. Über mir kreist ein Ventilator aus dem es unentwegt Funken schlägt.
In Kandy laufe ich zu meinem Hotel, gute 2km, weil ich mich für keinen der ca. 300 Tuktukfahrer, die mir am Bahnhof ihre Dienste anbieten, entscheiden konnte. Kandy selber ist eine eher uninteressante Stadt. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist ein Tempel in dem ein Zahn von Lord Buddha gezeigt wird. (Nachdem ich vor einigen Tagen schon ein Haar von ihm gesehen hab, musste ich dahin.) Oder auch nicht. Er ist nämlich matroschkaartig sechsmal in Gold eingepackt und auch dieses Paket wird nur zweimal am Tag kurz rausgeholt. wusste ich aber nicht also kaufe ich ein Ausländerticket (Einheimische gehen natürlich umsonst rein), gebe meine Schuhe ab und reihe mich ein in den Strom der nach Erleuchtung strebenden. Hat bei mir leider nicht geklappt. Lag vermutlich dran dass ich die ganze daran denken musste dass ich hier in den Knast komme wenn ich mich mit dem Rücken zu einer Buddha-Statue fotografiere. Und davon gibs hier reichlich.
Ansonsten liegen die Schönheiten von Kandy wohl eher im verborgenen. Ich bin etwas genervt und habe keine Lust sie zu suchen. Man wird hier als offensichtlich Nichteinheimischer im Minutentakt angequatscht. Immer mit der gleichen Masche. Hello my friend. Where are you from? Germany. Holland. Russia. Ich variere. Anschliessend folgt immer ein Satz, ein Wort in der dazu passenden Landessprache. Lachen. Hand fasst meinen Arm an. Es folgt das Angebot als Fahrer/Führer/Geldwechsler für mich tätig zu werden. Bleibe ich stehen um auf dem Telefon Google Maps zu checken, bleibt jemand eng neben mir stehen und glotzt mir aufs Display. Patscht drauf, will mir zeigen wo wir sind um anschliessend anzubieten als Fahrer/Führer/Geldwechsler für mich tätig zu werden.

Nunja, heut bin ich weitergefahren nach Ella, einer kleinen Stadt im Hochland, sieben Stunden mit dem Zug. Ich gönne mir ein 1.Klasse-Ticket für 7 Euro und los gehts. Es ist bequem, klimatisiert, nur die Scheiben sind nicht geputzt. Praktischweise stehen aber alle Türen in den Waggons offen so dass man gut fotografieren kann. Es geht durch tiefen, dichten Dschungel in die Berge, bis auf knapp 2.000m, vorbei an riesigen Teeplantagen. Zum lesen komme ich kaum, es ist eine atemberaubende Landschaft.
In Ella bleibe ich die nächsten drei Nächte, das Hotel ist toll, ich blicke vom Bett aus direkt in den – etwas nebelverhangenen – Dschungel, vor dem Zimmer steht ein Schaukelstuhl, es gibt schnelles Internet und kaltes Bier.

 

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