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Wie ich einmal eine Briefmarke kaufte.

Ich habe eine Freundin die bekommt gerne Post. Also so richtig richtig gern. Und besonders gern von Orten von wo sie noch keine hat. Und weil ich ja in der letzten Zeit an ein oder zwei Orten gewesen bin die ein bisschen exotisch sind, hab ich ihr ein oder zwei Karten geschrieben. Das ist ja überall auf der Welt eine relativ simple Angelegenheit. Im Laden für Touristenbedarf die Karte mit dem seltsamsten Motiv aussuchen, was unleserliches draufkritzeln, für die Adresse die Dritte-Klasse-Druckbuchstaben malen, rausfinden was Deutschland in Landessprache heisst und eine Briefmarke besorgen und die Karte einwerfen. Entweder am gleichen Ort oder spätestens am Flughafen. Funktioniert so grundsätzlich auch z.B. in Nordkorea. Ausser dass es dort ein paar Wochen dauert bis meine Karten losgeschickt werden weil die Kryptographieexperten des Geheimdienstes Schwierigkeiten mit meiner Schrift hatten.

Auf dem Weg von Cordoba in Argentinien nach Buenos Aires habe ich einen kleinen Umweg über Asuncion, Paraguay gemacht. Einerseits um mal zu schauen ob das wirklich so ein ödes Kaff ist dass dort sonst niemand hinfährt (Es ist eine überraschend lebendige, sogar in Teilen moderne Großstadt in der es aber leider wirklich nicht viel zu sehen gibt was Touristen so interessiert. Falls man zufällig vorbeikommt, kann man sich aber gut zwei drei Tage die Zeit vertreiben. Z.B. im Hostel im Pool sitzen, denn es ist dort unfassbar heiss und schwül) und andererseits natürlich um eine Postkarte zu schreiben.

War schwierig. Es gibt in Asuncion und vermutlich in ganz Paraguay nur an einem einzigen Ort Postkarten. Zwei Tage lang habe ich erfolglos rumgefragt bis mir jemand den Tip gab, es doch mal in der Touristeninformation zu versuchen. Naheliegend aber auch erstaunlich wo es quasi keine Touristen gibt. Und deswegen ist es natürlich auch Quatsch, dass in der Info jemand sitzt der Englisch spricht. Eine Karte hab ich natürlich trotzdem gekauft, ein zeitloses Siebzigerjahremotiv.
Dass es dort keine Briefmarken gibt, hatte mir der Tipgeber schon gesagt, dafür muss man zur Post. Es gibt anscheinend nur eine in der Stadt. Großes Gebäude, viel Marmor, eine großzügige Halle die dekoriert ist mit Riesenbriefmarken (im ähnlichen Maßstab wie die Schecks die Autohaus-Geschäftsführer in der Weihnachtszeit gern an Einrichtungen für Witwen und Waisen überreichen) anlässlich eines Besuches von Ban Ki-Moon in der Stadt vor zwei Jahren.

Keine Ahnung wie das hier läuft, ich stelle mich an die kürzeste Schlange an. Ist natürlich falsch, Briefmarken gibts an der längsten.
Ich bin dran, sage meinen auswendig gelernten Satz und denke bei der Antwort ich habe mich verhört. Der Schalterdrachen hat einen Preis genannt, für den man in der Heimat ein mittelgroßes Päckchen durch halb Europa schicken könnte. Ich wiederhole Postkarte auf spanisch, in der Hoffnung es hätte beim ersten Mal vielleicht wie DHL Pluspäckchen geklungen. Sie wiederholt die Summe, ich denke mir was solls, ist ja Urlaub und stelle mir dabei die leuchtenden Augen der Postkartenliebhaberin vor, wenn sie ihren Briefkasten öffnet.
Ich zähle mein Geld ab, will es über den Schalter reichen, ernte eine abwehrende Handbewegung von der Frau die nun anfängt ein Formular auszufüllen. Mit zwei Durchschlägen. Sie fragt mich nach meinem Namen. Ich stammele B R I E F M A R K E, sie bleibt beharrlich. Ich gebe auf, sage schnell, wie bei Starbucks, John, hoffe dass sie nicht misstrauisch wird und meinen Pass sehen will. Es klappt. Ich will wieder das Geld übergeben. Sie stempelt das Formular und die Durchschläge, behält einen, reicht mir den Rest und verweist mich an die nächste Schlange. Ich stelle mich an, darf hier nun das Geld übergeben, das Formular wird erneut gestempelt, der Durchschlag verbleibt. Mit dem letzten Papier gehe ich zurück zum Drachen und bekomme überraschenderweise ohne weitere Formalitäten meine Briefmarke und darf sogar die Postkarte hier abgeben!

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…währenddessen in Buenos Aires.

Und damit es hier auch mal wieder ein paar aktuelle Bilder zu sehen gibt, anbei eine Galerie aus Buenos Aires, die  Stadt in der ich inzwischen seit zwei Wochen bin und die mich sehr begeistert. Tagüber gehe ich in die Sprachschule und mühe mich  etwas Spanisch zu lernen. Anschliessend laufe ich ein paar Stunden durch die Stadt und staune. Über die Großzügigkeit der Strassen, die eleganten Wohnhäuser, den Rhythmus der Stadt der ganz eigen ist, tagüber eher eher ruhig – eilig scheint es hier niemand zu haben – dafür Nachts um so pulsierender, ich habe das Gefühl dass dies die Stadt ist die tatsächlich niemals schläft.

 

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Fuck you Santiago.

Eigentlich wäre es ja mal wieder an der Zeit etwas zu schreiben, über Chile zum Beispiel. Die Tage dort waren aufregend und ereignisreich, ich hatte ja Besuch aus Berlin und wir sind vom Norden, aus San Pedro de Atacama in mehreren Etappen nach Santiago de Chile gereist.

Dort ist dann etwas passiert was für das komplette Südamerika-Paket quasi dazu gehört. Ich habe also irgendwie damit gerechnet, hätte aber trotzdem gern drauf verzichtet. Wir sind überfallen worden. Nicht in einer dunklen Seitenstrasse, nicht mitten in der Nacht. Sondern am frühen hellerlichten Stadtpark, voll von Leuten und auch Security. In der Minute in der grad niemand in der Nähe ist, springen zwei Typen, die ich unter anderen Umständen vermutlich umgehustet hätte, auf uns zu, ich habe ein Messer am Leib und es wird recht schnell deutlich worum es geht, Kameras, Telefone, Brieftaschen, meine Uhr. Das Ganze dauert keine Minute, dann rennen sie los. Wir hinterher, werden noch mit Steinen beschmissen, die Penner verschwinden in den Büschen. Kurz darauf treffen wir Securitys die auch sofort auf Motorrädern losfahren, natürlich ohne Erfolg.

Wir werden der Polizei übergeben die freundlicherweise auch noch eine Runde mit uns durch den Park dreht, eine dreiviertel Stunde später. Überraschenderweise waren die Gangster nicht mehr da. Wir fahren auf die Wache, dürfen unsere Anzeige aufgeben und bieten an dass man über die Ortung des iPhones ja mal schauen könnte ob es noch an ist und wo es steckt. Geht nicht. Chilenische Polizeireviere haben kein Internet. SO werden dann zur U-Bahn gefahren wo man uns freundlicherweise noch ein Ticket spendiert.

Wir sind angepisst, frustriert und genervt. Neben dem materiellen Verlust gibt es dieses unangenehme Gefühl und die Frage was man hätte anders machen können um dem zu entgehen. Vermutlich gar nichts aber der Gedanke treibt um. Von  Santiago haben wir die Schnauze voll, zum Glück geht es bald weiter. Vorher allerdings muss ich noch die Kamerafrage klären. Die bislang verwendete und innig gemochte Fujifilm X-T1 gibt es in Santiago nicht und ausserdem würde es das Budget sprengen. Immerhin finde ich eine leicht überteuerte Knipse, ebenfalls von Fuji, die ich mir in Japan schonmal als Backup kaufen wollte.

Ein kleines bisschen Glück im Unglück war der Umstand dass ich am Tag zuvor zwei Objektive aus meiner Kameratasche ausgepackt habe die ich grad nicht benutzt habe sowie den Pass und die zweite Kreditkarte und 1000 Dollar Bargeld im Apartment gelassen habe.

Ein kleines bisschen lachen musste ich als dass eintrat wovon man immer mal wieder liest und worauf ich spekuliert habe. Ich habe natürlich sofort sämtliche Zugangsdaten, die auf dem Telefon hinterlegt waren, geändert. Bis auf die Dropbox. Die hat nämlich einen automatischen Upload für Kamerabilder. Sobald das Gerät in einem Wlan hängt fängt es an, die zuletzt aufgenommenen Bilder in einen Dropbox-Ordner zu laden.
Zwei Tage später, ich bin mittlerweile in Cordoba in Argentinien, sehe ich dass der entsprechende Ordner auf meinem Computer aktualisiert wird und finde eine nette Sammlung Bilder von dem Trottel und seinen Freunden. Allein, es nutzt mir nichts denn es gibt für mich keine Möglichkeit die chilenische Polizei zu kontaktieren und mit Bezug auf die Anzeige die Bilder, die sogar geocodiert sind, zu übermitteln. Ich könnte im Polizeirevier vorbeigehen und die ausgedruckten Bilder vorbeibringen. Aber ich bin ja in Argentinien. Und nach ein paar Tagen und weiteren Uploads ist es ihm wohl auf aufgefallen oder er hat das Gerät zurückgesetzt oder verkauft an jemand schlaueren.

Shit happens. Get over it.

2015-03-01 23.48.55

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Bolivia III Salar de Uyuni

Eigentlich sollte es nach Boliven ja nach Chile gehen. Gings auch erstmal. Von La Paz nach Cochabamba, tief im Dschungel und von dort zunächst nach Iquique in Chile. Angekündigt waren 12 Stunden Fahrt, gedauert hat sie letztendlich 19 Stunden, davon hat allein der Grenzübertritt sechs Stunden gedauert. Ein wirklich sensationell beeindruckendes System von Ineffizienz gepaart mit Faulheit und Desinteresse. Immerhin, am Ende war ich am Meer. Wellenrauschen, Sandstrand, baden gehen. Autofahrer die blinken und an Zebrastreifen anhalten. Und ein prima Schawarma-Imbiss. Aber ich muss weiter, ich bekomme Besuch aus Berlin und der landet in Calama, einer so langweiligen Stadt dass alle Touristen, die hier ankommen, das gleiche machen wie wir auch. Sie setzen sich direkt am Flughafen in ein Shuttle nach San Pedro de Atacama. Der Ort, der die Wüste im Namen trägt und von wo Ausflüge und Touren und Expeditionen dorthin starten, liegt auf gut 2.500m und eignet sich gut als Zwischenstopp um sich ein wenig der Höhe anzupassen. Denn anschliessend fahren wir für vier Tage (zurück) nach Bolivien, in die Salar de Uyuni, die grösste Salzpfanne der Erde und den Nationalpark Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa. Hier geht es bis auf knapp 5.000m – Höhen die einem ungeübt ganz schön zu schaffen machen können.

Wir haben eine Tour gebucht, morgens um acht gehts los, Transfer zur Grenze, eine Bretterbude auf dem Berg, dann Aufteilung auf Geländewagen, wir teilen unseren die nächsten Tage mit drei lustigen Chilenen von denen zwei stumm sind und der Dritte etwas deutsch spricht und uns freundlicherweise die interessanten und detaillierten Ausführungen unseres Fahrers zur Flora und Fauna sowie geologischen Besonderheiten der absurd schönen Landschaften die wir durchqueren. Die sind so großartig dass jeder Versuch einer Beschreibung lächerlich wäre. Wir sehen Wüsten, Felsformationen, Lagunen, Berge und haufenweise Viehzeugs: Lamas, Vicunias und natürlich James. James den Flamingo und alle seine Freunde und Verwandten die lustigerweise auch alle James heissen.

Am Ende der Tour landen wir in Uyuni, einem Kaff in der Wüste und erleben dort noch einen kleinen Umzug des bolivianischen Karnevals, der natürlich bunt und laut ist und dessen Lustigkeit sich hauptsächlich daraus speist dass alle Menschen sich gegenseitig mit enorm großen Wasserpistolen nasspritzen und anschliessend mit Rasierschaum aus Dosen garnieren.

Insgesamt eine war es eine großartige Tour bei der alles so war wie wir es erhofft haben. Wenn man diverse Reiseführer und einschlägige Travelseiten im Internet durchschaut, findet man haufenweise gruselige Geschichten über misslungene Touren, kaputte Autos mitten in der Wüste, betrunkene Fahrer, miese, versiffte Unterkünfte und wegen unzureichender Verpflegung am Ende der Tour halbverhungerte Reisende. Zugegeben, man wird nicht gerade gemästet aber es war immer gut gekocht und lecker, die Unterkünfte in denen serviert wurde waren einfach aber sauber. Einmal gabs sogar eine Dusche. Das Auto machte einen solide gewarteten Eindruck und der Fahrer war nicht nur unterhaltsam sondern auch verantwortungsbewusst und besonnen. Unser Veranstalter hiess Atacama Mistica, scheinbar einer der grösseren im Ort.

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Bolivia II La Paz

Die Cholitas alleine sind zwar schon ein guter Grund um nach La Paz zu reisen aber die Stadt ist auch darüber hinaus eine überraschend aufregende (Wenn man mal ausser acht lässt dass südamerikanische Städte für westliche Reisende allgemein recht aufregend sind. Wenn man sich aber erstmal dran gewöhnt hat, gibts solche und solche.).

Die Stadt ist voll, laut, stinkt ein bisschen, ist unübersichtlich und sich darin zu bewegen ist anstrengend und unbequem. Das Stadtgebiet verteilt sich über mehrere Täler und die dazugehörigen Hänge, die Höhe variiert zwischen 3.300m und 4.100m. Je tiefer man kommt, desto milder wird es. In diesen Ecken wohnen dann auch „die Reichen“, haben die grösseren Firmen ihren Sitz und ist es auch ein bisschen langweilig weil hier kaum jemand auf den Strassen unterwegs ist, man fährt ja Auto. Bis Mitte letzten Jahres muss es auch sehr mühselig gewesen sein, von einem Ende der Stadt zum anderen zu kommen, die Wege lang, die Strassen verstopft und steil, die öffentlichen Busse sind museumsreife Riesenstinker aus den Fünfzigern (wie zum Hohn steht auf jedem Bus „Pünktlichkeit, Sicherheit, Bequemlichkeit“), daneben gibt es noch die übliche Auswahl an Collectivos, Micros, Taxis. Und dendiedas Teleferico. Neben Unternehmen verstaatlichen und USA verteufeln das Lieblingsprojekt des allseits geliebten Präsidenten, Genosse Evo Morales. Ich vermute er hat diese Stadtseilbahn persönlich geplant und Hand angelegt, anders ist nicht zu erklären warum er überall sein Gesicht hat draufkleben lassen. Gebaut wurde die Anlage von einer österreichischen Firma.

Es gibt drei Linien (acht sollen es nach dem weisen Willen des ewi.. äh Präsidenten mal werden), ähnlich wie Skiliften zieht sich eine Reihe von Masten durch die Landschaft und verbindet mit Gondeln für jeweils acht Personen verschiedene Teile der Stadt sowie der viel höher gelegenen Stadt El Alto (sowas wie dem bösen Zwilling von La Paz, der deutlich schneller wächst und vermutlich bald deutlich grösser sein wird) miteinander. Es ist ziemlich billig, schnell, noch sauber, ruhig (an vermutlich keinem anderen Ort in La Paz hört man tagsüber so wenig Stadtlärm wie in der Kabine) und die Aussicht ist sensationell. Trotz der vielen Vorteile nutzen erstaunlich wenige Menschen dieses Verkehrsmittel. Ein Großteil der Kabinen gondelt selten mit mehr als drei oder vier Passagieren durch die Gegend, insbesondere abends sind die Hälfte davon Pärchen auf einem schnellen, billigen Romantiktrip.

Und wenn man dann ein bis zwei Tage lang Teleferico gefahren ist, gibt es auch am Boden noch eine Menge interessante Sachen zu sehen. Ein paar alte Kirchen wo man aus Opportunitätsgründen beide Augen zugedrückt hat und Gestaltungselemente zugelassen hat für die die Künstler in Europa mindestens exkommuniziert worden wären. Der Hexenmarkt, wo man sich von so ziemlich allem heilen lassen kann, wenn man bereit ist die Tränke, deren Hauptzutaten Schneckenschleim und getrocknete Lamaföten sind, zu schlucken. Es gibt aber auch wesentlich leckere Sachen in der Stadt, überall auf den Strassen werden Kleinigkeiten verkauft, meist fettig, meist gut gewürzt. Super sind z.B. ca. kindskopfgrosse mit Fleischirgendwas gefüllte und fritierte Kartoffelpüreekugeln. Ausserdem gibt es in La Paz die besten Fruchtsäfte der Welt. Sensationelle Kombinationen, riesige Eimer voll für lächerlich wenig Geld. Noch nie war ich so mit Vitaminen aufgeladen wie hier.

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Bolivia I: La Cholitas

Dieser Artikel könnte auch unter der Rubrik „Dinge zum ersten Mal tun“ stehen, denn mit dem Besuch der hier beschriebenen Veranstaltung hat sich ein langgehegter Wunsch erfüllt. Eigentlich einer Gründe warum ich seit einigen Jahren gern mal hier hin wollte. Das ganze heisst Lucha Libre und ist die ursprünglich aus Mexico stammende Variante des Wrestlings in denen die Kämpfer maskiert gegeneinander kämpfen. Die bolivianische Besonderheit ist, dass auch Frauen, die Cholitas, gegeneinander kämpfen und dabei in die traditionelle farbenfrohe Tracht aus mehrlagigen Röcken gewandet sind, dazu haben sie dicke geflochtene Zöpfe und natürlich ihren Bowler-Hut, ohne den verlässt ja kaum eine bolivianische Frau das Haus.

Das Ganze findet Sonntag nachmittag in einer Mehrzweckhalle in El Alto, einer an La Paz angrenzenden Stadt von eher nicht so hoher Lebensqualität. Touristen wird auch inständig davon abgeraten, hier allein und erst recht nach Einbruch der Dunkelheit herumzulaufen. Warum auch immer.
Die Einheimischen zahlen so 1-2 Dollar Eintritt, die Touristen ca. 10, bekommen dafür aber auch noch ein paar Postkarten und eine Tüte Popcorn. Und sitzen direkt am Ring, da wo beim Boxen immer Martin Semmelrogge, Neger-Kalle und Helene Fischer sitzen.

Es beginnt mit einer Mariachi-Band, großen Ansagen, Nationalhymne und der Vorstellung der Kämpferinnen und Kämpfer. Es beginnen jüngere, eher unerfahrene Kämpfer, es hat zunächst ein bisschen die Anmutung von Rummelboxen aber schon die zweite Paarung ist deutlich spannender, rasanter und auch brutaler.
Im Verlauf der dreieinhalb Stunden steigert sich die Intensität und besonders die Frauen zeigen spektakuläre Kämpfe die immer öfter auch ausserhalb des Rings ausgetragen werden und sehr dicht ans Publikum gehen. Die Stimmung kocht, die Zuschauer feuern ihre Favoriten/innen natürlich lautstark an und muss sich vorsehen nicht von zersplitternden Obstkisten, über Köpfen berstenden Leuchtstoffröhren, Aluleitern und herumspritzenden Flüssigkeiten (Cola und Blut) getroffen zu werden.
Irgendwann hat dann irgendjemand gewonnen, warum ist nicht immer ganz klar, gefeiert werden sowieso Sieger und Verlierer.

Jill_icke_cholita

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Der Flug des (Jonas über den) Kondor.

Es würde sich zwar lohnen, nur wegen des Machu Picchu nach Peru zu reisen aber es gibt dort auch noch andere Großartigkeiten. Die Nasca-Linien zum Beispiel. Unweit der gleichnamigen Stadt. Und weil mein zweiter Vorname nicht Routenplanung lautet, bin ich von Cusco den langen und nicht sehr beschwerlichen Weg mit Nachtbus 14 Stunden zurück an die Küste gefahren. Dort kam ich morgens um neun an, war wenig später in meinem Hotel, dessen freundlicher und geschäftstüchtiger Besitzer genau fünf Minuten brauchte um mir einen Flug zu einem prima Preis (80 USD) am gleichen Vormittag über die Linien zu organisieren. Frischmachen. Kaum Zeit mich noch einmal mit Erich von Dänikens Theorien zu der ganzen Geschichte zu befassen. Pickup. Ab zum Flughafen. Emsiges Treiben, Starts und Landungen im Minutentakt, eine Frequenz wie in Tegel, nur dass die Maschinen alle nicht mehr als 8 Sitze haben. Auch der Sicherheitscheck ist wie in echt, es wird diskutiert ob ich den Imbusschlüssel aus meiner Fototasche mitnehmen darf (Gut, vermutlich kann man in einer Cessna mit einem Imbuss mehr anrichten als in einem Airbus). Ich darf und es geht los mit der Erklärung der Maschine und der Verteilung der Sitzplätze. Mit mir fliegen vier aufgeregte Koreaner. Insgesamt sind wir fünf Passagiere und zwei Piloten. Der Start ist schnell und steil, nach  wenigen Minuten sind die ersten in den Fels gekratzen Linien erreicht, das Flugzeug fliegt eine große Schleife und neigt sich zu jeder Seite gute 45 Grad, das sind die Momente wo man fühlt, wie das ganze Gekröse in einem von einer Seite zur andere schlingert. Tüten liegen bereit aber ich hab mir geschworen, nicht vor den Koreanerinnen zu kotzen und die halten sich tapfer. Nach der dritten Figur (Der Kolibri!) weiss ich dann auch worauf ich zu achten habe und bilde mir ein fortan etwas zu erkennen. Ich sehe sogar Figuren die gar nicht angesagt werden.
Der Flug dauert 40 Minuten und mein Magen und ich sind sehr froh als wir gelandet und ausgerollt sind. Wir bekommen eine Urkunde dass wir nun zertifizierte Nasca-Flieger sind. Ich bin sehr stolz und winke den Wartenden zu.

Den Rest meiner Zeit in der ansonsten eher unspannenden Stadt verbringe ich in meinem hübschen Hotel mit Sachen sortieren und nichts tun. Es wartet die nächste Nachtbusfahrt nach Arequipa auf mich. Dort war ich habe ich lustige Zufallsbekanntschaften gemacht, wurde zum Essen eingeladen und war nicht im Colca Canyon und werde von daher auch nicht darüber schreiben.

 

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Zwischen Jahren und Welten

Die Tage um Silvester habe ich in einer Art Zwischenwelt verbracht. In Utrecht, in Holland, bei Freunden, die wiederum aber nicht da waren und mir ihr Haus als Unterschlupf zur Verfügung gestellt haben. Und so war ich sehr froh, in einer vertrauten, reizarmen Umgebung mal ein paar Tage zu verschnaufen, meine Sachen zu sortieren und drei Sachen zu essen die mir ein bisschen gefehlt haben, nämlich Käsestullen, Spagetti und Buletten. Und ansonsten hab ich versucht mich innerlich von Asien zu verabschieden und mich vorzubereiten auf das, was da in den nächsten drei Monaten kommt. Südamerika. Und los gehts in Peru.

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Weihnachten am Strand

Verdammt. Bald ist schon wieder Ostern und ich habe immer noch nicht über Weihnachten geschrieben.

Wo genau ich Weihnachten sein wollte, darüber hatte ich lange keinen Plan. Ich wusste nur, er hat folgende Eckpunkte: Strand, Sonne, Hängematte, Schirmchendrinks.
Vor einiger Zeit dann fragten mich meine Freunde Julia und Thomas aus München, ob ich nicht mit ihnen Weihnachten verbringen möchte, sie wären ja in Bangkok. Warum eigentlich nicht, dachte ich mir, schliesslich erzählt mir Julia schon seit Jahren wie unglaublich großartig Bangkok ist.

Und weil ja Weihnachten ist, haben wir ein hübsches Hotel gebucht. Mit einem eigenen Zimmer für mich. Mit eigener Dusche im eigenen Zimmer. Und einem Fernseher. Auch sehr zentral gelegen. Also das Hotel, nicht der Fernseher.

Bangkok ist ja tatsächlich eine ziemlich coole Stadt und so haben wir die nächsten Tage damit verbracht durch die Stadt zu laufen um den Geist von Weihnachten aufzuspüren…. Nein, Spass, wir haben alle zwei Stunden tolle Sachen gegessen, sind durch blitzeblinkende Kaufhäuser gelaufen…also doch irgendwie wie Weihnachten zuhause. Naja, bis auf die stundenlange Massagen für lächerlich wenig Geld, die in Bangkok zum täglichen Pflichtprogramm gehören. Und die Kao San Road, der vermutlich am weitesten von Weihnachten entfernte Ort der Welt an dem wir an Heiligabend Cuba Libres aus Plastikeimerchen getrunken haben.
Etwas näher dran an Weihnachten waren wir dann am 1. Feiertag, wo wir zum Mittag Bei Otto einkehrten, einer soliden deutschen Wirtschaft. Ich hatte eine halbe Ente mit Rotkohl und Klössen. Kein Vergleich mit dem elterlichen Gänsebraten aber unter den gegebenen Umständen vollkommen angemessen.

Und weil zu Thailand natürlich auch Strände, Palmen und Schirmchendrinks gehören, haben wir uns aufgemacht zur schönen Insel Koh Chang, ganz im Süden, unweit der Grenze zu Kambodcha (Kampuchea, wie es in meiner Jugend hiess). Einen halben Tag mit dem Bus durchs Land, mit der Fähre übersetzen, im offenen Pickup, genannt Taxi, einmal über die Insel heizen und schon waren wir da. Im Pajamas Koh Chang, dem großartigsten Hostel in dem ich bisher gewesen bin. Sensationell freundliches und entspanntes Personal, saubere Zimmer. Wie üblich schlafe ich im Schlafsaal, mit den grössten, stabilsten, privatesten Doppelstockbetten. Es gibt einen Pool, das Frühstück ist sensationell, das angeschlossene Restaurant so gut dass es uns schwerfällt, auch mal woanders hinzugehen.

Wir verbringen die drei kurzen Tage mit intensivem Rumhängen, Baden (abwechselnd im Pool und im Meer), machen einen Bootsausflug und ich stelle dabei fest dass Schnorcheln eigentlich doch ganz geil ist. Vielleicht überlege ich mir das mit dem Tauchschein ja doch nochmal.
Jedenfalls, es hat mir beinahe körperliche Schmerzen bereitet, nach dreieinhalb Tagen wieder abreisen zu müssen. Da muss ich auf jeden Fall nochmal hin und empfehle es mit warmen Worten weiter!

Nach einer wie üblich halsbrecherischen Fahrt im Minibus zurück nach Bangkok habe ich die letzte nacht in Asien in einem trostlosen Flughafenhotel verbracht und bin am nächsten Morgen nach Amsterdam geflogen…

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Taiwan – das andere China.

Neue Woche, neues Land. Falls es jemand zu rasant wird, haltet aus, bald wird es gemächlicher!

Letzte Woche also Taiwan. Ein Land was jeder kennt, was seit Jahrzehnten immer mal wieder in den Nachrichten ist. Das Land das offiziell Republic of China heisst. Das andere China, mit einer äusserst spannenden Entstehungsgeschichte die sich lohnt mal nachzulesen, z.B. bei Wikipedia, insbesondere auch die Verweise auf die beiden Staatsgründer Sun Yat-sen und Chiang Kai-shek und die sie umgebenden Verwicklungen, so wurde die Witwe Yat-sens später Präsidentin der kommunistischen Volksrepublik China, während ihre Schwester den Gründungspräsidenten Taiwans, Kai-shek heiratete. Oft gesehen haben werden sie sich in dieser Zeit vermutlich nicht.

Taipei, die Hauptstadt, ist für asiatische Verhältnisse eher eine Kleinstadt mit gut 2,5 Mio. Einwohnern, allerdings auf nur ca. 250 Quadratkilometern, weniger als einem Drittel der Fläche Berlins. Dicht bebaut und modern, wenn auch nicht so hypermodern wie z.B. Shanghai oder Singapur, auch weil man hier nicht den Eindruck hat, dass alle 15 Jahre die komplette Bebauung ausgetauscht wird.
Um ein kleines Geheimnis zu verraten, eine meiner geheimsten Leidenschaften sind ja Elevated Roads, Strassen auf Stelzen die sich überall in asiatischen Großstädten finden lassen und sich in bis zu 30 Metern Höhe durch die Städte schlängeln, oft in mehreren Lagen übereinander, mit Kreuzungen, Abzweigungen, drüber, drunter oder dazwischen oft noch eine Ebene mit Gleisen für Züge. Hat den Vorteil dass man den Lärm und den Dreck nicht am Boden hat, es weniger Staus gibt weil oben weniger Kreuzungen und Ampeln sind. Und ausserdem sieht es super aus und Taiwan hat wirklich die beeindruckendsten Hochstrassen die ich bisher gesehen habe. Ich könnte mir das in Berlin auch gut vorstellen, z.B. gut vom Alex bis zum Zoo, übers Brandenburger Tor hinweg, man könnte die ganzen Linden zu einer Fußgängerzone machen und der 17. Juni wird für den Tiergarten renaturiert. Oder so:-)

Ich bin also eine Woche lang durch die Stadt gelaufen und habe gestaunt und mich gefreut. Und weil laufen und staunen hungrig macht habe ich gegessen. Taiwan hat eine einzigartige Küche die ein Mix ist aus diversen chinesischen Regionalküchen, die mit den Fliehenden im Zuge der Staatsgründung auf die Insel kamen, dazu Einflüsse der Ureinwohner und aus der kolonialen Geschichte. Es gibt grandiose Dim Sums, Nudelsuppen zum drin baden, ausserdem tolles Streetfood überall wo man geht und steht und natürlich auf den diversen Nachtmärkten für die die Stadt berühmt ist. Sehr mochte ich z.B. Muschel Hawaii – eine Jacobsmuschel mit frischen Ananasstücken und Käse überbacken.

Und falls sich mal jemand gefragt hat wo all die freundlichen, höflichen, rücksichtsvollen und an ihrer Umwelt interessierten Chinesen leben, die es in der Volksrepublik nicht gibt, sie sind in Taiwan, sie müssen beim Rückzug der Kuomintang auf die Insel alle mitgekommen sein. Oder aber der Einfluß der freien Welt hat hier geholfen. Dann besteht ja zumindest noch ein wenig Hoffnung für das andere China. Habe ich hier etwa Vorurteile und verallgemeinere? Ja natürlich:-)